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Von der Brandruine zum Deutschen Burgenmuseum

 
2016-09-08

Kaum vorstellbar wäre ein Ereignis wie die Eröffnung des Deutschen Burgenmuseums auf der Veste Heldburg vor 34 Jahren gewesen. Damals lag die Burg im Grenzsperrgebiet der DDR, und 1982 brannte der Französische Bau aus. Der Wiederaufbau kam erst mit der Maueröffnung in einer bayerisch-thüringischen Kooperation in Gang. 1994 übernahm die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten die Veste Heldburg und hat seither rund 16,7 Millionen Euro investiert, etwa die Hälfte davon im Zusammenhang mit der baulichen Vorbereitung des größeren Teils der Burganlage für das Deutsche Burgenmuseum.

Ab 1990 wurde zunächst der brand- und witterungsgeschädigte Französische Bau zügig unter Dach gebracht, im Rohbau und an den Fassaden wiederhergestellt. Nach der Übernahme durch die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten standen zunächst die komplizierte Entwässerung und Trockenlegung der Gebäude im Vordergrund. Parallel konnten auch weitere Sanierungs- und Restaurierungsprojekte umgesetzt werden, etwa der Herren- und der Frauenerker, die bis heute überragenden Kunstwerke auf der Veste.

Erst im Jahr 2006 bot sich mit der von der Wartburg-Gesellschaft konzipierten Idee eines „Deutschen Burgenmuseums“ auf der Veste Heldburg eine museale Perspektive. 2009 kam es dann zum Startschuss für das bauliche Projekt „Deutsches Burgenmuseum“. Bis 2013 wurden dafür große Teile der Veste saniert. Schwerpunkte waren der Heidenbau, der Französische Bau und ein Teil des Kommandantenbaus. Gefördert wurde die rund 8,1 Millionen Euro umfassende Maßnahme mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und Bundesmitteln aus dem Programm Invest Ost.

Zuerst wurde die Pfeilerhalle im Kommandantenbau fertiggestellt, weil hier das Besucherzentrum eingerichtet werden sollte. Der eindrucksvolle Raum mit seinen auf mächtigen Pfeilern ruhenden Gewölben diente früher als Marstall. Die daraus resultierende Salzbelastung musste zunächst reduziert werden. Dann konnten historische Putze und Farbfassungen gereinigt, ergänzt und retuschiert werden. Um die Wände und Gewölbe in ihrer charakteristischen Wirkung nicht zu beeinträchtigen, kamen die Versorgungsleitungen und die Heizung in den Fußboden.

Die Sanierung des Heidenbaus erfolgte von 2009 bis 2011. Aufwendig waren vor allem die Instandsetzung und Neueindeckung des steilen Dachstuhls. Auch die Natursteinfassaden wurden gründlich restauriert. An der Fachwerkfassade zum Hof musste ziemlich viel gegen neues Material ausgetauscht werden. In den Innenräumen haben sich Putze, Fassungen und Gebrauchsspuren vom 16. bis zum 20. Jahrhundert erhalten. Sie wurden konserviert und bieten ein lebendiges Bild der Bau- und Nutzungsgeschichte über die Jahrhunderte.

Besonderer Wert wurde auf eine möglichst barrierefreie Erschließung der künftigen Museumsräume gelegt. Daher baute man am Übergang vom Heidenbau zum Französischen Bau einen Fahrstuhl ein, wodurch sämtliche Geschosse beider Gebäude erreichbar sind.

Bis zum Brand 1982 hatten im Französischen Bau die wertvollsten Raumkunstwerke der Veste aus der Zeit der Renaissance und des Historismus überdauert,  danach war die Innenausstattung fast vollständig vernichtet. Um in Ansätzen wieder eine Vorstellung von der ehemaligen Pracht geben zu können, wurden das Haupt- und das Obergeschoss mit großem Aufwand saniert und restauriert.

Die schweren Brandschäden stellten die Restauratoren jedoch vor große Herausforderungen. Wie im Großen Saal im Obergeschoss galt es fast überall Putz- und Farbfassungsfragmente aus mehreren Jahrhunderten in die Raumgestaltung zu integrieren. In vielen Fällen waren zudem Reste der hölzernen Vertäfelungen des späten 19. Jahrhunderts erhalten. Diese waren zu konservieren und ebenfalls gestalterisch einzubeziehen. Nur in wenigen Fällen erlaubte es der Erhaltungszustand, Räume in ihrer Ausstattung ergänzend zu vervollständigen. Dazu gehört im Hauptgeschoss beispielsweise das so genannte Ankleidezimmer  Herzog Georgs II., das ihm seine Frau – allerdings auf seine Kosten – zum Geburtstag schenkte. Für die Museumsnutzung waren darüber hinaus umfangreiche Ausbauarbeiten wie Klimatisierung, Fußbodenheizung und Museumstechnik nötig.

In ihrer Vielschichtigkeit ist die Veste Heldburg nicht nur der Standort des Deutschen Burgenmuseums sondern selbst Objekt der Präsentation. Mit ihrer ablesbaren Entwicklung von der mittelalterlichen Verteidigungsanlage zum burgenromantischen Bergschloss ergänzt sie in originärer Weise das Konzept des Museums, die Burgen in ihrem Facettenreichtum von den Anfängen bis in die jüngere Geschichte zu vermitteln.

Erreichbar ist das Deutsche Burgenmuseum von einem neu angelegten Besucherparkplatz auf halber Höhe des Burgbergs. Von dort flaniert man gemächlich hoch zur Burg. Möglich ist aber auch eine Burgenwanderung vom Parkplatz am Fuße des Burgbergs.

 
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