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Schloss Molsdorf

 
2012-11-29

Repräsentativer historischer Schlosshof wiederhergestellt

Nach gut einem halben Jahrhundert hat Schloss Molsdorf seinen repräsentativen äußeren Schlosshof wieder. Der Hauptzugang war nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört und anschließend im Zuge der Bodenreform in mehrere Grundstücke aufgeteilt worden, die an unterschiedliche Eigentümer kamen.

Nach mehrjähriger Vorlaufzeit konnten die für die Wiederherstellung notwendigen Flurstücke durch einen Flächentausch in das Eigentum der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten übertragen werden. Dies war die Voraussetzung, um den äußeren Schlosshof wieder herzustellen. Das Gemeinschaftsprojekt der Stadt Erfurt und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten wurde von 2010 bis 2012 mit Mitteln aus der Dorferneuerung des Amtes für Landentwicklung und Flurneuordnung Gotha, der Stadt Erfurt und der Stiftung durchgeführt. Insgesamt wurden rund 530.000 Euro aufgewendet.

Jetzt können Besucher das maßgeblich im 18. Jahrhundert durch Graf Gustav Adolf von Gotter geprägte Schlossensemble wieder durch die große dreiteilige barocke Toranlage betreten. Empfangen werden sie von überlebensgroßen Wächterfiguren auf den inneren Torpfeilern, den sogenannten Geldmännern, die zugleich als Wappenhalter für Gotters Adelswappen dienen. Jahrelang waren die Figuren eingelagert. Jetzt stehen sie restauriert und den Farbbefunden entsprechend weiß gefasst wieder an ihrem Ursprungsort. Inhaltlich gehören sie zum historischen Skulpturenprogramm im Schloss und im Garten. Dieses nimmt sowohl auf den Stand des Bauherrn als Reichsfreiherr und späterer Reichsgraf Bezug als auch auf die Vermittlung seiner Geisteshaltung als Anhänger der Aufklärung. Eine zentrale metaphorische Rolle nehmen dabei die Göttinnen Flora und Venus ein.

Von der ursprünglichen Toranlage aus Seeberger Sandstein waren lediglich zwei äußere Pfeiler stehen geblieben. Die beiden inneren Torpfeiler wurden von ihrem zwischenzeitlichen Aufenthaltsort im Schlossgarten wieder zurückgebracht. Nach ihrer Restaurierung und Ergänzung sind sie nun wieder Bestandteil der repräsentativen Toranlage. Noch fehlen die historischen Metallgittertore, die ebenfalls wieder hergestellt werden.

Der Schlosshof war zugleich der ehemalige Guts- bzw. Wirtschaftshof, umgeben von Zweckbauten. Diese Gebäude sind nur noch zum Teil erhalten. Mit der Wieder-errichtung der Bruchsteinmauern beiderseits der Toranlage wurde der geschlossene Hofcharakter wieder hergestellt. Restauriert wurden auch die an die Hauptfassade des Schlosses angrenzenden Gartenmauern.

Perspektivische Tiefenwirkung boten ursprünglich zwei den Zufahrtsweg begleitende niedrigere Mauern innerhalb des Schlosshofes, die sich sowohl zum Schloss als auch zur Toranlage halbkreisförmig weiteten. Dort waren vier Brunnen aufgestellt, die zugleich als Pferdetränken dienten. Die verloren gegangenen Mauern wurden als sandgestrahlte Sichtbetonmauern neu gestaltet und mit Sandsteinplatten abgedeckt. Ergänzt wurde beidseitig auch eine Lindenpflanzung.

Der ehemalige Bodenbelag ist nicht erhalten. Jetzt wurde für die Zufahrt Natur-steinpflaster aus Muschelkalk verwendet. Die seitlichen Platzflächen vor dem Schlossgebäude haben eine wassergebundene Decke bekommen. Im Zuge der Arbeiten wurden auch die defekten Abwasserleitungen erneuert. Damit kann künftig der Anschluss an die öffentliche Kanalisation vorgenommen werden. Dies soll in einigen Jahren erfolgen, dann kann die jetzt noch vorhandene Klärgrube im Hofbereich abgebrochen werden.

Molsdorf gewinnt mit der Aufwertung des äußeren Schlosshofs deutlich an Attraktivität. Doch auch im Schlosspark wurden Maßnahmen durchgeführt, die dazu beitragen. So sind im schlossnahen Pleasureground zwei ovale Blumenbeete nach Befund wieder angelegt und bepflanzt worden. Mit Stauden und mehreren Tausend Blumenzwiebeln bepflanzt waren sie ein zentrales Gestaltungselement seit Ende des 18. Jahrhunderts. Außerdem wurde am südlich gelegenen Teich mit der Restaurierung eines historischen Parkwegs begonnen. Diese Maßnahmen sollen zur nächsten Saison weitergeführt werden.

 
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