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Jahresrückblick 2012

 
2012-11-29

Die baulichen Schwerpunkte der Stiftung

Sieben Schloss- und Parkanlagen gehören 2012 zu den baulichen Schwerpunkten der Stiftung. Dazu zählen die Veste Heldburg, Schloss Friedenstein mit Park in Gotha, Schloss und Park Wilhelmsthal bei Eisenach, Schloss Schwarzburg, Schloss Altenstein bei Bad Liebenstein, der Greizer Park sowie Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden.

Veste Heldburg

Die Sanierung der Veste Heldburg im Zusammenhang mit der bevorstehenden Einrichtung des Deutschen Burgenmuseums schreitet sichtbar voran. Nachdem 2010 die Pfeilerhalle im Kommandantenbau und 2011 der Heidenbau fertiggestellt werden konnten, konzentrierten sich die Arbeiten in diesem Jahr auf die ehemaligen Wohn- und Repräsentationsräume im ersten und zweiten Obergeschoss des 1982 ausgebrannten Französischen Baus. Diese gehören zu den Haupträumen der künftigen Ausstellung.

In beiden Geschossen des Französischen Baus sind die abgehängten Decken und die haustechnischen Anlagen, darunter die Fußbodenheizung, fertiggestellt. Im zweiten Obergeschoss konnten auch die übrigen Sanierungsarbeiten abgeschlossen werden. Die historischen Putzflächen und Sandsteinelemente wurden restauratorisch bearbeitet, Fehlstellen neu verputzt. Begleitend wurden die Fenster restauriert und neue Türen eingebaut. Auch die Dielen sind inzwischen verlegt.

Im Ergebnis der Sanierung erwarten den Besucher im zweiten Obergeschoss modern gestaltete Räume, in denen die historischen Befunde der Renaissance wie auch der historistischen Neugestaltung präsentiert werden.

Das erste Obergeschoss war vom Brand weniger stark betroffen. Dort befand sich unter anderem das Ankleidezimmer Herzog Georgs II. von Sachsen-Meiningen, das wieder als bedeutendes historistisches Raumkunstwerk nachvollziehbar gemacht werden soll. Die Befunde der Raumausstattung wurden restauriert und Fehlendes ergänzt. Zum diesjährigen Herbstsymposion der Stiftung im Oktober konnte der Raum bereits mit weitgehend wiederhergestellter Wandvertäfelung, Deckenfries und Kachelofen präsentiert werden.

Im Kommandantenbau werden sukzessive Fenster überarbeitet, und die Turmbekrönung des Hausmannsturms wurde repariert.

Im Bereich des ehemaligen Küchenbaus, der im 19. Jahrhundert abgetragen und durch eine Terrasse mit Zinnenbalustrade ersetzt wurde, ist ein Gastronomieneubau vorgesehen. Hierfür wurde ein Architekturwettbewerb ausgelobt. Den ersten Preis erhielt der Berliner Architekt Daniel Payer. Sein Entwurf sieht einen weitgehend transparenten, eingeschossigen Bau mit Dachterrasse vor, der sich durch seine zurück-haltende Gestaltung ideal in das historische Ensemble einfügt.

Die Sanierung der Veste Heldburg wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie durch Bundes- und Landesmittel gefördert.

Schloss Friedenstein mit Park in Gotha

Auf Schloss Friedenstein wurde ein weiterer wichtiger Bauabschnitt abgeschlossen. Die im Winkel zwischen Nord- und Ostflügel gelegene Herzogstreppe wurde als Haupttreppenhaus wiederhergestellt. Wichtigste Ergebnisse sind die restaurierte Farbfassung und der Aufzug zur barrierefreien Erschließung. Anfang Mai konnte die Herzogstreppe der Öffentlichkeit übergeben werden. Die von 2010 bis 2012 erfolgten Maßnahmen wurden durch Mittel des Landes, des Bundes sowie des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) gefördert.

Der Bereich vom Erdgeschoss des Treppenhauses bis zur Beletage wurde ab 1894 anlässlich einer fürstlichen Hochzeit mit großem Aufwand nach dem Vorbild des Coburger Schlosses neu gestaltet. Diese Fassung konnte einschließlich Stuck und Wandmarmorierung wiederhergestellt werden. Der Treppenlauf ins dritte Obergeschoss zeigt hingegen noch die Gestaltung des späten 17. Jahrhunderts. Der anspruchsvollen Restaurierung gingen erhebliche statische Maßnahmen voraus und teilweise musste Schwamm entfernt werden. Eine deutliche klimatische Verbesserung für das Treppenhaus stellen die Verglasung der Hofarkaden im Zugangsbereich sowie die Temperierung mittels Fußboden- bzw. Wandflächenheizung dar.

Eine kleinere, aber keinesfalls unbedeutendere Restaurierung erfährt das Portal der Schlosskirche in Kooperation mit der Fachhochschule Erfurt. Die erhaltenen Sand-steingewände, die noch vom 1553 errichteten Schlosskirchenportal des Vorgänger-baus stammen, wurden steinrestauratorisch gesichert, Fehlstellen zurückhaltend ge-schlossen. Die älteste nachweisbare Farbfassung konnte freigelegt werden und es erfolgen noch Retuschen. Beim Neubau von Schloss Friedenstein ab 1643 wurden die erhaltenen Gewändesteine als Symbol für die historische Größe der ernestinischen Dynastie wiederverwendet und durch ein rahmendes Text- und Bildprogramm ergänzt.

Mit privaten Spenden werden fortlaufend die Wappenreliefs an den Arkadenbögen des Innenhofs restauriert. Die insgesamt 54 Wappen stellen den sächsischen Gesamtbesitz einschließlich reiner Titularwappen vor. Der Bauherr, Ernst der Fromme, bekundete damit seine vollwertige Stellung als sächsischer Herzog. Inzwischen sind 17 Wappen restauriert und mit heraldischen Farben versehen. 2012 kamen die Wappen der Herzogtümer Jülich und Berg, der Herrschaft Eisenberg und des Erzmarschallamts hinzu.

Im Zusammenhang mit der Eröffnung des Herzoglichen Museums wird gegenwärtig die denkmalpflegerische Zielstellung für den Tannengarten erarbeitet. Im Orangerieparterre schreitet die Sanierung des Brunnens voran, der die Anlage seit annähernd 150 Jahren prägt. Von dem 1868 im neobarocken Stil gestalteten Etagen-Schalen-Brunnen stammt noch das Marmorbecken, während die Etagen-Schalen nach einem Vandalismusschaden 1909 demontiert worden waren. Die heutigen Schalen sind eine moderne Ergänzung aus dem Jahr 1969.

Schloss und Park Wilhelmsthal bei Eisenach

Ein erfreulicher Schritt konnte bei der Bestandssicherung und Sanierung von Schloss und Park Wilhelmsthal erreicht werden, insbesondere am Alten Schloss, am Neuen Schloss und im Bereich der Blumeninsel im Park.

Am Alten Schloss konnte der im Vorjahr begonnene Sanierungsabschnitt beendet werden. Die notwendigen Arbeiten an diesem schwer geschädigten Schlossgebäude erwiesen sich als besonders aufwendig. Es musste in großem Umfang Fachwerk ausgebessert und partiell ausgetauscht werden. Weil der Freistaat Thüringen noch zusätzliche Mittel bereitstellte, konnte auch die Sanierung des Daches abgeschlossen werden. Hier wurden die Dachauflager gesichert und der vorübergehend abgebaute Dachstuhl wieder aufgerichtet und stabilisiert. Für die Eindeckung wurden die vorhandenen Ziegel aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederverwendet. Zum Schutz des sanierten Fachwerks erhielt das Gebäude einen Grundputz.

Putzarbeiten wurden auch am Neuen Schloss durchgeführt. Hier waren die Mauerwerkbereiche zu schließen, die im Jahr zuvor für die komplizierte Schwammsanierung geöffnet worden waren.

Zur Saisoneröffnung der Stiftung konnte der nordöstliche Parkbereich mit der wiederhergestellten Blumeninsel der Öffentlichkeit übergeben werden. Dabei wurde die neue Fürst-Pückler-Brücke eingeweiht, die die Blumeninsel mit der Straße zum ehemaligen Schlösschen Hohe Sonne verbindet. Südlich vom Neuen Schloss wurde auf einer Sandsteinsäule die historische Sonnenuhr wieder aufgestellt.

Schloss Schwarzburg

Am schwer geschädigten Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg wurde 2012 die umfangreiche Bestandssicherung fortgesetzt. Ein erster wichtiger Abschnitt, die 2010 eingeleitete Sanierung von Dachstuhl und Mauerwerk am mittleren Bereich des Schlosses, konnte beendet werden. Nachdem die statische Sicherheit gewährleistet war, wurde nach 15 Jahren das Stützkorsett am Mittelrisalit abgenommen. Das Dach ist nun gedeckt.

Auch der zweite Bauabschnitt, in dem der südliche Teil des Hauptgebäudes gesichert wird, ist inzwischen annähernd abgeschlossen. Das Schutzdach und das Gerüst werden demnächst abgebaut. Analog zum ersten Bauabschnitt wurden auch hier umfangreiche Arbeiten am Mauerwerk ausgeführt, Teile des Dachstuhls neu errichtet und das Dach mit Schiefer eingedeckt. Die Verbindung der Fassade zum ehemaligen Kirchflügel wird mit einer Stahlbetonkonstruktion gesichert.

Gefördert wird die Bestandssicherung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie.

Im Rahmen eines Ideenwettbewerbs wurde ein Nutzungskonzept für das gesamte Schlossensemble erarbeitet. Der prämierte Entwurf des Architekturbüros Tektum Hille Kobelt Architekten BDA aus Weimar sieht einen respektvollen Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz vor und bildet die Basis für eine Kombination von geschichtlichen und gegenwartsbezogenen Dauer- und Ereignisausstellungen, Veranstaltungen, Bildungsseminaren und touristischen Erlebnissen.

Zu den Hauptattraktionen auf Schloss Schwarzburg wird auch das künftige Zeughausmuseum mit der bedeutenden Schwarzburger Waffensammlung zählen. Es soll als „Fürstliche Erlebniswelten“ Bestandteil des Tourismus-Konzepts Thüringer Schiefergebirge-Schwarzatal werden. Hierzu wurden die Planungen für den Neubau an der Stelle des ehemaligen Torhauses fortgeführt. Er soll der Erschließung des Zeughauses dienen und die museale Infrastruktur aufnehmen. Im Zeughaus selbst wurde eine Musterachse für die Präsentation der Waffen erarbeitet.

Schloss und Park Altenstein bei Bad Liebenstein

Schloss Altenstein bekommt mit der seit 2010 laufenden Sanierung wieder eine Nutzungsperspektive. Ein Kulturzentrum soll im Schloss entstehen, mit einer gastronomischen Komponente im Erdgeschoss und dem wiederhergestellten Festsaal sowie einem neuen Konzertsaal im Obergeschoss. Eine Brahms-Ausstellung soll zudem an die Aufenthalte des Komponisten Johannes Brahms auf dem Altenstein erinnern.

Für den notwendigen unterirdischen Küchenanbau wurden die Rohbauarbeiten abgeschlossen, im Schloss wurden die Rohbauarbeiten fortgesetzt. Der Aufzugsschacht konnte fertiggestellt werden, und mit der Wiederherstellung des Festsaals in seinen historischen Dimensionen wurde begonnen. Die Maßnahmen werden im Rahmen des Programms „Invest Ost“ des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) gefördert.

Im Landschaftspark wurde die Sanierung des Rundwegs fortgesetzt. Der Abschnitt zwischen der Teufelsbrücke und dem Steinbacher Sportplatz ist fertiggestellt. Auch die Reparaturen an der Treppenanlage unterhalb der Katz-und-Maus-Höhle konnten abgeschlossen werden. Für die Parkszenerie am Blumenkorb wurde die denkmal-pflegerische Zielstellung erarbeitet.

Sommerpalais und Park Greiz

Das Sommerpalais ist 2013 unser „Schloss des Jahres“. Es gehört zusammen mit dem Park nicht nur zum Nationalen Erbe, sondern besonders auch zum kulturellen Schatz Thüringens, bei dem es ganz nach dem Landesmotto einiges zu entdecken gibt. Auf diese Entdeckungsreise will die Stiftung Besucher mitnehmen. Ein Jahr lang steht das Schloss mit spannenden Veranstaltungen im Mittelpunkt. Bewährter Kooperationspartner ist dabei die Bücher- und Kupferstichsammlung (Programm hier).

Besonders erfreulich ist dabei, dass der Auftakt zur Serie „Schloss des Jahres“ im jüngst fertig sanierten Sommerpalais stattfinden wird. Und nicht nur das: Auch die Wiederherstellung des Parks rund um das Palais ist im vollen Gange.

Zwei bedeutende Parkbereiche wurden im Greizer Park saniert. Noch 2011 der Pleasureground östlich des Sommerpalais und in diesem Jahr der südlich gelegene Blumengarten. Beide gehen auf den Greizer Hofgärtner Rudolph Reinecken, einen Schüler Carl Eduard Petzolds zurück, der sie ab 1874 angelegt hat.

2012 wurden Wege im Blumengarten in ihren historischen Verlauf zurückversetzt und Beete entsprechend historischen Vorlagen wieder angelegt. Der in den 1990er Jahren rekonstruierte Blumenkorb südlich vor dem Sommerpalais wird, wie in den Quellen beschrieben, wieder mit Borke verkleidet. Die Dekoration mit Baumrinde folgte seinerzeit dem Vorbild der Borkenhäuschen, die sich als beliebte Parkarchitekturen zum Beispiel im Weimarer Ilmpark und in Greiz selbst erhalten haben. Auch Gehölze wurden nach Befund nachgepflanzt. Ferner wurde die Alleepflanzung am Elsterdammweg ergänzt. Derzeit erfolgt der Rückbau der Baustraße. Der darunter liegende Parkweg vom Sommerpalais zur Rotunde wird den archäologischen Befunden gemäß restauriert. Am Parkeingang „Schwarzes Tor“ wird eine Schranke errichtet.

Die Sanierung erfolgt mit Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden

Das Hauptaugenmerk bei Schloss Wilhelmsburg lag auch 2012 auf der Dachsanierung. Seit 2010 ist das Nordflügeldach in Arbeit. Dafür stehen zusätzliche Landesmittel bereit.

Im Zusammenhang mit den Arbeiten am Dachstuhl wird das Tragwerk der Decke im Tafelgemach wiederhergestellt. Die bemalten Holztafeln der Decke wurden analog zur vorangegangenen Sanierung des Riesensaals abgenommen und werden restauriert.

Im Schlossgarten ist die Sanierung der östlichen Stützmauer entlang der Treppe der sogenannten Wasserkunst abgeschlossen. Zur Absturzsicherung wurde ein Zaun errichtet, der mit einer Kornelkirschenhecke bepflanzt wird. In Vorbereitung auf die Landesgartenschau 2015 in Schmalkalden wurde für den Schlosspark die denkmalpflegerische Zielstellung erarbeitet. Mit den Planungen zur Wiederherstellung des Terrassengartens wurde begonnen. Die von der Stadt Schmalkalden und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten gemeinsam durchgeführte Straßensanierung des Schlossbergs schreitet zügig voran.

 
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