Home | Kontakt | 
Thüringer Schlösser und Gärten : Home

Wilhelmsthal bei Eisenach

Schloss und Park Wilhelmsthal, Wartburgkreis

 

Sommerresidenz der Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach. Schlossanlage aus zehn axialsymmetrisch angeordneten barocken und klassizistischen Gebäuden. Landschaftspark aus dem späten 18. Jahrhundert, umgestaltet durch Fürst Hermann von Pückler-Muskau und Hermann Jäger

Acht Kilometer südlich von Eisenach, an der Bundesstraße nach Bad Liebenstein und Meiningen, liegen Schloss und Park Wilhelmsthal im Tal der Elte. Der Bach wurde Anfang des 18. Jahrhunderts zu einem See angestaut, der noch heute zentraler Bestandteil der Gartenanlage ist. Dem sich von der Straße her nähernden Besucher erschließt sich nach und nach ein reizvolles Ensemble von barocken und klassizistischen Gebäuden, die an einer zentralen Wegachse aufgereiht sind. Trotz des schlechten Zustands werden die Spuren einer durchdachten Gesamtanlage sichtbar.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde das Areal um die Hohe Sonne von den ernestinischen Landesherrn als Jagdgebiet genutzt. In dem 1699 in Wilhelmsthal umbenannten Ort Wintershausen hatte man frühzeitig Nutzbauten für die Jagd errichtet. Nach einer ersten Blütephase unter dem Namensgeber Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach (1666-1729), der Wilhelmsthal zu seiner Sommerresidenz ausbaute, und einer Umgestaltung durch Ernst August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1688-1748), an den das Eisenacher Herzogtum nach dem Aussterben dieser Linie gefallen war, verfielen Schloss und Park zusehends. Erst Carl August (1757-1828) engagierte sich in den 1790er Jahren wieder für das Ensemble. Auf seine Initiative geht im Wesentlichen das heutige Erscheinungsbild zurück.

Historischer Ausgangspunkt der Schlossanlage ist das Corps de Logis, auch Altes Schloss genannt, das zu Beginn des 18. Jahrhunderts frühere Jagdhäuser ersetzte. Südlich des Alten Schlosses wurde zunächst der „obere Garten“ angelegt, dem später auf dem zum See hin abfallenden Gelände vor dem Schloss ein terrassierter Lustgarten als Pendant hinzugefügt wurde. Diese auf das Schlossgebäude ausgerichtete Gartenachse kreuzte eine von Nord nach Süd verlaufende Schlossachse, entlang derer sich neben dem Hauptbau pavillonartig zahlreiche weitere Logis- und Wirtschaftsgebäude paarweise gegenüber standen. 1719 kam der später in den Komplex des Neuen Schlosses eingebundene Festsaal hinzu, dessen Stuckdecke zu dem wenigen Erhaltenen aus der ersten Bauphase gehört. Dieser Saalbau dürfte Schauplatz mehrerer Uraufführungen von Kompositionen Georg Philipp Telemanns (1681-1767) gewesen sein, der bis in die 1720er Jahre vertraglich an den Eisenacher Hof gebunden war.

Unter Ernst August von Sachsen-Weimar-Eisenach erfuhr Wilhelmsthal in den Jahren 1743 bis 1748 eine Überarbeitung unter Leitung des Architekten Gottfried Heinrich Krohne (1703-1756). Die Schlossachse wurde an ihrem westlichen Ende mit einer Orangerie baulich geschlossen, die Gartenachse stärker betont, die regelmäßigen Anlagen erweitert. Aus diesen Jahren des prachtorientierten Ausbaues hat sich im Alten Schloss eine Stuckdecke mit Kartuschen erhalten, die einst das Monogramm Ernst Augusts präsentierten. Wie sein Vorgänger legte Ernst August großen Wert auf die Nutzung des Sees mit Booten und Gondeln, die er nach venezianischem Vorbild zimmern ließ.

Nach einer langen Zeit des Verfalls und der nur notdürftigen Bestandssicherung unter Herzogin Anna Amalia zog Wilhelmsthal ab 1777 die Aufmerksamkeit des jungen Carl August (1757-1828) auf sich – wie bei seinen Vorgängern zunächst unter den Vorzeichen des Jagdvergnügens. Vor allem seine Gattin, Herzogin Louise (1757-1830), hielt sich trotz schlechten Bauzustandes jährlich im Sommer in Wilhelmsthal auf. Wirtschaftliche und ästhetisch-weltanschauliche Gründe führten zur Entscheidung für eine Umgestaltung der barocken Gartenanlage zu einem englischen Landschaftspark mit Übergängen in die umgebende Natur.

In den 1790er Jahren wurde das Gelände um Schloss Wilhelmsthal nach Ideen, die Carl August selbst mit dem Eisenacher Baurat Georg Christian Sartorius (1774-1838) entwickelt hatte, vollständig umgestaltet: Unter Beteiligung der Gärtnerfamilie Sckell nahm man dem Seeufer seine streng regelmäßige Form, legte Baumgruppen und Sichtachsen an und entfernte die barocke Skulpturenausstattung. Unterhalb des Sees wurden ein Wasserfall und Brücken errichtet. Das am westlichen Waldrand gelegene reizvolle Schweizerhaus ist ebenfalls Bestandteil dieser Umgestaltungsphase. Auch in den Gebäudebestand griff Carl August ein. Gegenüber dem 1719 erbauten Festsaal ließ er durch Sartorius ein Pendantgebäude errichten und beide durch eine Kolonnade zum später so genannten Neuen Schloss verbinden. Die nun außerhalb dieses westlichen Abschlusses gelegenen Pavillongebäude wurden abgetragen. So gelang eine neue Ausrichtung des Komplexes auf den umgestalteten Park. An die Stelle der axialen Ausrichtung auf das Alte Schloss trat die malerische Einbettung des Neuen Schlosses in den Landschaftsgarten mit der Doppelfassade als Hauptansicht, die durch die Verbindung der beiden Saalgiebel mit der Kolonnade entstanden war. Nach dem Abschluss der Umgestaltungs- und Umbauarbeiten diente Wilhelmsthal regelmäßig als Sommerresidenz des Weimarer Hofes. Auch herrschaftliche Besucher wurden dort empfangen.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auf Anordnung Carl Alexanders (1818-1901) der Park einer Erneuerung nach Plänen von Fürst Hermann von Pückler-Muskau und dem Hofgarteninspektor Hermann Jäger unterzogen. Man orientierte sich am Vorgefundenen, legte neue Pflanzungen und Wege an und sorgte dafür, dass der abermals verformte See seine Wirkung voll entfalten konnte. „Wilhelmsthal muß den Eindruck machen, als habe man den ehemaligen Urwald (von dem noch einige Bäume Zeugniß geben) nur deshalb gelichtet, um Raum für freundliche Wohnungen mit lichter Umgebung zu gewinnen, wobei ein tiefer Natursinn sorgfältig die schönsten Bäume schonte …“, schrieb Hermann Jäger 1853.

Im 20. Jahrhundert wurde Wilhelmsthal unter anderem als Kinderheim genutzt und den Anforderungen entsprechend erhalten und verändert. Nach der Aufgabe des Heimstandortes zu Beginn der 1990er Jahre erfuhren Gebäude und Park keinerlei Pflege mehr. Der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten wurde die Anlage im Jahr 2009 übertragen. Seither konnten Teilbereiche des Landschaftsparks wieder hergestellt werden. Außerdem mussten das Alte Schloss und der Telemannsaal im Neuen Schloss mit großem Aufwand gesichert werden.

Kontakt

Schloss- und
Parkverwaltung Wilhelmsthal

Frau Walter
Schloss und Park Wilhelmsthal
Wilhelmsthal 5
99819 Eckardtshausen
Ortsteil Wilhelmsthal

T: 0 36 91/8 82 11 94
M: 01 57/85 50 95 59

parkverwaltung
@schlosswilhelmsthal.de

Förderverein

Förderkreis Schlossanlage Wilhelmsthal e.V.
T: 03 69 21/17 01 3
F: 0 36 91/6 85 10 09

www.schloss-wilhelmsthal.de

Schloss und Park

Parkmöglichkeiten
Parkmöglichkeiten am Parkeingang, Behindertenpark-
plätze im Schlossbereich, Reisebusse bitte bei der Schloss- und Parkverwaltung anmelden

Schloss- und Parkanlage

Führungen von Gruppen
nach telefonischer Vereinbarung mit dem Förderverein

Die Schlossanlage befindet sich in der Restaurierung, die Aussenanlagen sind barrierefrei.

Eintrittspreise Führungen
Gruppen ab 15 Personen
Erwachsene 3,- Euro
Kinder und Schüler frei

Download Info-Flyer