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Der Turm steht auf eigenen Füßen

 
2016-12-21

Am Palasturm der Burg Weißensee ist die statische Sanierung abgeschlossen

Der Palasturm auf der Burg Weißensee steht wieder ohne Stützen stabil. Das ist das Ergebnis von rund vier Jahren intensiver Bautätigkeit am Mauerwerk und seiner Gründung. Rund 2,4 Millionen Euro wurden dafür investiert. Nun stehen noch die Turmhaube und die Restaurierung der Innenräume aus.

Im Mittelpunkt der Maßnahmen stand die statische Sanierung. Über Jahrhunderte war der am Rand des Burgplateaus stehende Turm abrutschgefährdet, außerdem war das Mauerwerk durch chemische Prozesse und Umbauten instabil geworden. Seit dem 16. Jahrhundert gab es mehrere Versuche, den Turm zu festigen. Anfang der 1990er Jahre konnte eine stählerne Stützkonstruktion die Gefahr vorläufig bannen, die Ursachen waren damit aber nicht behoben. Außerdem entstellten das martialisch wirkende Stahlkorsett mit seinen zahlreichen Streben an der Fassade und ein Ringanker aus Stahlbeton sowie mehreren Stützen im Inneren das romanische Bauwerk bis zu Unkenntlichkeit.

Zunächst wurde das Problem der Hanglage gelöst. Betonbohrpfähle im Boden verhindern das weitere Abrutschen des Turms. Nach gründlichen Untersuchungen rückten dann ab 2013 die Maurer dem Turm zu leibe. Abschnittweise räumten sie das marode Mauerwerk aus und ersetzten es. Bis zu zwei Meter tief drangen sie dabei vor. Die abschließende Mauerschale bilden bis zu 400 Kilogramm schwere Sandsteinquader nach historischem Vorbild. Um den Turm während der Arbeiten zu sichern, wurde die noch vorhandene Stützkonstruktion genutzt. Sie wurde mit hydraulischen Pressen aufgerüstet. Über ein ausgeklügeltes Messsystem gesteuert, konnten so während des Mauerwerksaustauschs die Lasten des oberen Turmschafts aufgefangen werden.

Die Arbeiten begannen im Sockelbereich und setzten sich nach oben fort. Als das Erdgeschoss stabil stand, konnten die ersten Stützen abgenommen werden. Nach der Sanierung des oberen Turmschafts folgte auch der stählerne Ringanker. Der allerdings war durch armdicke Dübel mit dem massiven Betonringanker an der Innenseite verbunden, bei dessen Armierung man mit Stahl nicht gespart hatte. So mussten mühsam tonnenschwere Einzelsegmente abgetrennt werden.

Auch innen wichen alle stabilisierenden Einbauten. Zum Vorschein kamen Räume, die einst eine wichtige Rolle auf der Burg spielten. Die Bauforschung ergab, dass es sich bei dem gemeinsam mit dem Palas errichteten Turm um einen bewohnbaren Wehrturm handelte. Hier konnte sich die Herrscherfamilie bei Gefahr in zwei beheizbare und mit Aborten ausgestattete Wohnräume zurückziehen. Zugänglich war der Turm nur über eine Tür im ersten Obergeschoss. Von dort aus führen in den Außenwänden Treppen nach oben und unten. Das überwölbte Erdgeschoss diente wohl der Aufbewahrung von Wertgegenständen.

Die Sanierung des Mauerwerks in zwei Bauabschnitten ist nun abgeschlossen. In einem weiteren Abschnitt müssen noch der bauliche Anschluss zur benachbarten Alten Küche, die Turmhaube und Restaurierungsarbeiten folgen. Die derzeitige Turmhaube ist noch ein Provisorium. Wiederhergestellt werden soll die „welsche Haube“ des 16. Jahrhunderts. Damals war die Burg einschließlich Palas und Turm zum Renaissanceschloss ausgebaut worden. Aus dieser Zeit stammt auch ein Teil der Raumfassungen in den Innenräumen, die restauriert werden müssen. Besondere Aufmerksamkeit bekommt dort jedoch die Ausstattung des 12. Jahrhunderts, die anhand zahlreicher Befunde nachvollziehbar ist. Rund 1 Million Euro werden für diese Maßnahmen in den nächsten Jahren benötigt.

Abbildung: Burg Weißensee/Runneburg, Turmsanierung
Foto: Dr. Anja Löffler

 
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